fernweh abenteuer

mit julia in der aletschregion

Wieso ein Gletscher im Mittelpunkt des Berichts? In meinen Augen sind Gletscher ein extremes Sinnbild für den Klima-wandel – sie machen die sonst nur spürbare Entwick-lung für einmal auch sichtbar. Hier erzähle ich, wieso ich mich genau für diese Region entschieden habe, was mich auch einmal an meinem Entscheid zweifeln liess und natürlich was ich in dieser Zeit entdeckt und erlebt habe. In der Hoffnung, euch inspi-rieren zu können, Ferien in der Schweiz zu machen.

Gedanken

Wo hört die Nachhaltigkeit auf?

Soll es der Aletschgletscher sein? Ja, weil es der grösste Gletscher der Alpen ist und zum UNESCO-Welterbe gehört. Das macht ihn zu etwas Besonderem.Aber dann kommen mir irgendwann auch Zweifel. Denn unser Ziel ist es, nachhaltigen Tourismus im Inland zu fördern. Wie sinnvoll und nachhaltig ist es denn, etwas vorzustellen und somit als Reiseziel zu fördern, das sowieso schon bekannt ist? Das schon einen Namen hat und besonders geschützt ist? Denn wenn ein Ort, seine Natur und Bevölkerung schlussendlich von Touristen überrannt werden, hat das nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun. Diese Fragen bleiben für mich bis heute offen.

 

Der erste Tag

Mit der roten Matterhor-nbahn durchs Tal

Das Bergerlebnis beginnt definitiv ab dem Umsteigen in Brig auf die Matterhornbahn. Die kleine rote Bahn schlängelt sich durchs Tal. Rechts und links ragen hohe Berge empor, bedeckt mit Geröll oder Wald in Herbstfarben. Heute steht eine Tour auf den Aletschgletscher auf dem Programm. In der Bergsteigerschule in Fiesch werden Steigeisen verteilt und die Route wird erklärt. Dann geht es mit der Bergbahn hoch zum Eggishorn.

Oben angekommen, eröffnet sich ein erster Blick auf diese beeindruckende Eismasse. Wow – für mich das erste Mal, dass ich diesen Gletscher sehe. Zuerst gehen wir eine gute Stunde auf einem Bergwanderweg, bis die Hütte am Märjelen see erreicht wird. Dort werden Klettergurte angezogen und die letzte halbe Stunde Fussmarsch, bis der Gletscher erreicht wird, beginnt. Anseilen, Steigeisen anziehen und ab jetzt geht es auf dem Eis weiter. Während der drei Stunden, die wir auf dem Firn verbringen, erzählt Richard, der Bergführer, viel Wissenswertes über den Gletscher und die Region. Für mich war es ein sehr emotionaler Moment, auf dieser riesigen Eismasse zu stehen. Einerseits eine grosse Euphorie, dann die anderen Gedanken, die mir sagen, wie paradox es ist, hier auf diesem immer kleiner werdenden Gletscher zu stehen. Denn vielleicht gehöre ich zur letzten Generation, die das Glück hat, dieses mächtige Natur-phänomen erleben zu dürfen.

 

Der zweite Tag

Vom Biomarkt in eine Aus-stellung und über die Hänge-brücke auf die Riederfurka

In Brig gibts jeden Samstagmorgen einen kleinen Markt, wo lokale Produzenten ihre Produkte verkaufen – alles ist regional und das meiste bio. Von dort aus kann man gut zu Fuss ins World Nature Formu in Naters spazieren.

Der Gletscher, die Region und deren Natur sowie Kultur sind Themen. Die Ausstellung ist sehr interaktiv gestaltet, mit viel Bild und Wissen. Sie ist sehr empfehlenswert und auch für Familien mit Kindern gut geeignet. Danach mache ich mich auf den Weg zur Belalp. Von dort aus zu Fuss über die 124 Meter lange Hängebrücke, die über die 50 Meter tiefe Massaschlucht führt. Angekommen auf der Riederfurka, schaue ich mir zuerst die Villa Cassel (Pro Natura Zentrum) an. Nach dem intensiven Tag gibts Tee und Kuchen auf der Veranda – bei starkem Wind. Ein gelungener Abschluss des Tages, den ich so schnell nicht vergessen werde.

 

Unser CO2-Vergleich

Wallis oder Patagonien?

Statt den Aletschgletscher zu besuchen, hätte ich auch nach Patagonien fliegen können, um den Perito Moreno-Gletscher zu sehen. Aber was hätte ich genau davon gehabt? Etwa 30 Stunden im Flugzeug sowie an Flughäfen und ich wäre um mindestens 1’500 Franken leichter geworden. Rechnet man zwei Wochen Ferien pro Destination, hätte ich für Patagonien 66 mal mehr CO2 ausgestossen! Mein Fazit: Lieber entdecke ich die Natur in meiner Umgebung, als mit dem Flugzeug nach Patagonien zu reisen und so zur Gletscher-schmelze beizutragen.

 julia@fernweh-schweiz.ch

Nachhaltige reisetipps

Für die Aletschregion

Aktivitäten

Eintägige Gletschertour, Hängebrücke Belalp nach Riederalp, Eggishorn Kletter-steig, UNESCO Höhenweg - Bettmerhorn nach Eggishorn

(Aletsch Arena AG Infocenter Fiesch, Furkastrasse 44, 3984 Fiesch, T 027 928 58 58,
aletscharena.ch,
info@aletscharena.ch) 

All diese Aktivitäten und noch mehr können über das Tourismusunternehmen Aletsch Arena organisiert und gebucht werden.

World Nature Forum

(Aletsch Campus, Bahnhof-strasse 9a, 3904 Naters,
T 027 924 52 76, jungfraualetsch.ch/de/world-natureforum, info@world-natureforum.com)

Das modernste Museum der Alpen. Die interaktive Aus-stellung zur Aletschregion und dem UNESCO Welterbe ist ein Muss für jeden Besucher.

 

Schlafen

Bed & Breakfast Baumhaus

(Lilian Schmidt, Schulhaus-strasse, 3984 Fiesch,
T 027 971 01 93,
baumhausfiesch.ch,
info@baumhausfiesch.ch)

Die vielen verschiedenen Holzzimmer verbreiten Duft, Ruhe und Behaglichkeit. Das Frühstückbüffet mit regionalen und biologischen Produkten ist inklusive.

 

Jugendherberge Fiesch

(Sport Resort Fiesch, 3984 Fiesch, T 027 970 15 15
youthhostel.ch/fiesch
fiesch@youthhostel.ch)

Viele Anlagen des zugehörigen Sport Resorts Fiesch sind auch für die Gäste der Jugendherberge kostenlos nutzbar.

 Hotel Waldhaus

(Gastgeberfamilie Berchtold, 3992 Bettmeralp,
T 027 927 27 17,
waldhaus-bettmeralp.ch
info@waldhaus-bettmeralp.ch)

Das familiengeführte Hotel zeichnet sich durch die hohe Kunst der Gastfreundschaft aus. Wer kann, soll die Nacht im Holz100 Zimmer verbringen:
Walddurft inklusive!

Pro Natura Zentrum Villa Cassel

(Pro Natura Zentrum Aletsch, Villa Cassel, 3987 Riederalp,
T 027 928 62 20,
pronatura-aletsch.ch, aletsch@pronatura.ch)

Umweltbildungszentrum auf der Riederfurka. Mit Über-nachtungsmöglichkeiten in Doppel- oder Dreier-Suiten sowie Schlafsälen. Nachtessen für Gäste mit Voranmeldung. Reservationen nur per Telefon.

 Essen

 Restaurant Erner Garten

(Restaurant Erner Garten, Bieutistrasse 22, 3995 Ernen, T 027 971 11 28,
ernergarten.ch,
info@ernergarten.ch)

Restaurant verbunden mit biodynamischem Land-wirtschaftshof. Reservationen nur per Telefon.

 

 

 Restaurant Hotel Waldhaus

(Gastgeberfamilie Berchtold, 3992 Bettmeralp, T 027 927 27 17,
waldhaus-bettmeralp.ch,
info@waldhaus-bettmeralp.ch)

Frische, meist biologische und saisonale Küche. Grosses veganes Angebot.

Shopping

Bauernmarkt Brig

(Sebastiansplatz, 3900 Brig, Sa. 8 - 12 Uhr) 

Jeden Samstag findet in Brig ein Wochenmarkt von lokalen Produzenten statt. Alles ist regional, das meiste Bio. Der Markt findet ganzjährig statt.

Walliser Spezialitäten

(Silvia und Eugen Oggenfuss, Bahnhof-strasse 7, 3900 Brig
T 027 923 75 34
e.oggenfuss@gmx.ch)

Der Spezialitätenlasen mit regionalen Produkten, fast alle in Bioqualität.

z'Bioradiesli

(Alte Simplonstrasse 7, 3900 Brig, T 027 923 04 24,
bioradiesli.ch,
info@bioradiesli.ch)

Bioladen im Zentrum von Brig. Breites Sortiment an Lebensmittel und Non-Food-Artikeln. Diverse Artikel gibt es auch unverpackt zu kaufen.